Naturaufstellungen

In Verbindung mit der Tiefe

Was
geschähe,
würden wir unsere
Füße auf die Erde setzen und
ins Leben gehen im unmittelbaren
und einfachen Vertrauen, mit unserem ganzen
Körper und Sein, unserem Gewicht und jedem Zentimeter,
mit jeder Gebärde und jedem unserer Schritte
vollkommen getragen und – gekannt zu sein?

Der Boden, die Erde trägt, wie traumatisch unsere Erfahrungen in unserem Leben auch gewesen sein mögen. Und die Liebe, die sich nicht nur in der Fürsorge und Aufmerksamkeit anderer Menschen für uns, sondern ebenso im Leben der Erde und ihrer Natur ausdrückt, trägt wesentlich dazu bei, dass wir nicht nur überlebt haben - sondern leben. Ich meine dies durchaus nicht in einem die Natur verklärenden Sinn, als sorge sie für uns nach unseren persönlichen Wünschen für unser individuelles physisches Überleben.

Was würde geschehen, vertrauten wir der Erde mit jedem Schritt unseren Schmerz an – unsere Trauer, unsere Verzweiflung und unsere Traumata – entließen all das durch unsere Fußsohlen hindurch in den Boden, im Bewusstsein von Dankbarkeit für die Erde als unseren Grund? Ließen auch all die kleinen und großen Freuden und unser Glück, Gewinne und Verluste, auch sie, all unser Gepäck und schließlich auch noch jedes „unser“ - ließen all das in jedem unserer Schritte in die Erde fließen – oder hörten einfach nur auf, es in unserem Körper festzuhalten – und bäten die Erde, es zu nehmen?

Nähme die Erde dies an – und sie nähme es, wartet nur drauf, dass wir´s tun, da bin ich sicher – und erinnerte uns im Austausch dafür in jedem unserer Schritte und bis in die kleinste unserer Zellen an die uralte Geschichte vom tragenden Grund und die unerschöpfliche, alles durchdringende Quelle des Seins – und sie tut’s ja, wenn wir´s nur in Empfang nehmen und fühlen – wir wären mit einer ungekannten Kraft und Süße verbunden!

Was wäre das für eine Kommunikation mit der Erde, deren Gast wir sind für die Dauer unseres körperlichen Daseins?

Und wie würden wir unseren Mitmenschen begegnen?

Wie würden wir die Blumen wahrnehmen, die Steine, die Tiere, die Bäume, Wasser, Sterne, Sonne, Mond und das Blau des Himmels?

Was wäre uns Nahrung?

Wie würden wir unseren Körper erleben und wie auf unser Leben schauen?

Könnte ein solches Gehen, ein solches sich Niederlassen auf der Erde als dem tragenden Grund unseres physischen Daseins dazu beitragen, unsere in Jahrtausenden entstandene Geschichte von Eitelkeiten und Machtgelüsten, von nicht ans Ziel gebrachter und in Kriege, gegenseitige Unterdrückung und Gewalt verstümmelter und pervertierter Liebe, jene Ungetüme immer komplexer werdender Verstrickungen - dies alles allmählich und buchstäblich in vielen einzelnen Schritten und einem Großen langen Ausatmen hinzugeben und sich lösen zu lassen?

All die in der Atmosphäre der Erde angestaute Spannung jener ungelösten Schrecknisse und Grausamkeiten, deren Bürde wir immer von neuem erben, und die wir der Erde und unseren Nachkommen immer erneut hinterlassen, von Generation zu Generation?

Dazu all unsere Gewohnheiten und Überzeugungen, die unzähligen Variationen der immergleichen Muster mitsamt den dazugehörigen Geschichtsschreibungen, Religionen, Kulturen und Wissenschaften, ihren Streits und den davon abhängigen Arbeitsplätzen?

Würden wir, im Gehen auf diese Weise geübt und mit der Erde im Einklang, reif für solche Schlichtheit?

Reif dafür, diesen ganzen uns so teuren und bedeutungsschweren Ballast gehen zu lassen – demütig, nackt, aufrecht und in Freiheit?

Ich meine nicht, wir sollten das tun ohne Achtung und Würdigung dessen, was war und was ist, und nicht ohne Zärtlichkeit, Herzensklarheit und einen notwendigen Prozess der Trauer - doch im Verzicht auf das Bedürfnis nach Bedeutung und Kontrolle. Ohne den Ehrgeiz, es besser machen zu wollen. Ohne auch den Anspruch, an der Vergänglichkeit des physischen Lebens und seinem beständigen Wandel etwas verändern oder festmachen zu wollen, und ohne uns in die vermeintliche Sicherheit einer neuen Utopie, einer neuen Botschaft, Philosophie oder Religion zu flüchten.

Würde ein solches Gehen uns reifer dafür werden lassen, unsere Aufmerksamkeit und die Richtung unseres Blicks von Ideen, Konzepten und Theorien, von Dramen und Tragödien, zum Leben selbst, zur Erde und zueinander hin zu wenden – und uns davon weiten zu lassen?

Können wir lernen, das auszuhalten, so bar jeder Strategie, im besten Sinn nicht wissend und nackt da zu stehen? Können wir uns eingestehen, dass wir nicht weiter wissen – ohne der Verlockung nach scheinbarer Sicherheit zu erliegen und in dieser Situation wieder zu den Waffen zu greifen, den inneren wie den äußeren?

Können wir lernen, einzig im Vertrauen auf das, was sich zeigt, abzuwarten und uns führen zu lassen, während wir gleichzeitig wach, gegenwärtig und auf den nächsten Schritt, das Nächstliegende hin gerichtet bleiben?

Könnte auf solche Weise, im Einverständnis mit dem, was ist, und jenseits von Urteil und Bewertung, vielleicht auch in uns allmählich ein Raum entstehen, der frei ist vom Schaffen nach unserem Wollen, frei von unseren begrenzten Absichten – dem wir lauschen, dem wir uns öffnen und dem wir uns dienend zur Verfügung stellen?



Was
geschähe,
würden wir unsere
Füße auf die Erde setzen und
ins Leben gehen im unmittelbaren
und einfachen Vertrauen, mit unserem ganzen
Körper und Sein, unserem Gewicht und jedem Zentimeter,
mit jeder Gebärde und jedem unserer Schritte
vollkommen getragen und – gekannt zu sein?

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